„Jetzt müssen die Operator endlich ihren Beitrag leisten“

0

Orhun Merdekar war 2008 einer der ersten Auszubildenden in der Vending-Branche. Inzwischen ist der 19-Jährige Fachkraft für Automatenservice. Obwohl es für das 25 Mitarbeiter starke Familienunternehmen Delta Catering GmbH & Co in Nürnberg ein Kraftakt war, hat Geschäftsführer Robert Seibold die Entscheidung für die Ausbildung bis heute nicht bereut. Was ihn allerdings ärgert: die Zurückhaltung der größeren Vending-Betriebe. (Von Stefanie George)

Delta Catering gehörte damals zu den ersten, die ausgebildet haben. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Seibold: Wir haben immer gefordert, dass die Automatenbranche eigene Berufe bekommt. Dann war die Chance da, und plötzlich war die Resonanz – vor allem der großen Vending-Unternehmen – so gering, dass ich gesagt habe: Wir können nicht jahrelang wettern, dass es keine Berufe gibt, und wenn es dann soweit ist, sträuben sich alle.

Sie haben es durchgezogen, obwohl Delta Catering ein vergleichsweise kleines Familienunternehmen ist…
Seibold: Und es war ein Kraftakt. Eine solche Ausbildung kostet Zeit, Geld und auch Nerven. Wir haben den Schritt trotzdem gewagt – und sind heute sehr zufrieden.

Herr Merdekar, wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie sich für diese 2008 völlig neue Ausbildung entschieden haben?
Merdekar: Einige waren skeptisch, den Beruf kannte ja damals keiner. Ich fand es gerade spannend, weil es neu war. Mir war auch bewusst, dass ich einen weiteren Weg zur Berufsschule würde in Kauf nehmen müssen. Weil es 2008 nur ganz wenige Schulen gab, die das angeboten haben.

 

Robert Seibold, Chef von Delta Catering aus Nürnberg, mit seinem Mitarbeiter Orhun Merdekar. Foto: Stefanie George/VM

Wo sind Sie zur Berufsschule gegangen?
Merdekar: Ein Jahr in Thüringen, in Ilmenau. Die Klasse wurde allerdings aufgelöst, weil wir nur zu viert waren. Das zweite Jahr musste ich dann nach Duisburg fahren.
Seibold: Das war ja das frustrierende für uns. Wir hätten in Bayern locker eine Ausbildungsklasse zusammenbekommen können. Aber von den großen Unternehmen kam nichts. Viele Operator-Kollegen haben mich angerufen und nach unseren Erfahrungen befragt. Aber selbst nichts unternommen. Inzwischen gibt es das Angebot auch in Dachau. Das wäre natürlich für uns optimal gewesen.

Und fachlich? Waren Sie mit der Ausbildung in der Schule zufrieden?
Seibold: Überhaupt nicht. Im ersten Jahr war Orhun in der Mechatroniker-Klasse untergebracht, die anderen hatten also schon von vorneherein eine ganz andere Schulausbildung. Dort wurde er auch ausgegrenzt. Die wussten erst mal gar nicht, um was es überhaupt geht. Und haben sich dafür auch gar nicht interessiert.

Mechatroniker werden aber doch auch in Nürnberg ausgebildet?
Seibold: Richtig, das war auch das Ärgerliche. Das hätten wir näher haben können. Da habe ich auch richtig gekämpft. Es ging dabei schlicht und einfach ums Geld. Diese Zirkel bekommen soundsoviel Geld für die neuen Berufssparten, das wollen sie natürlich haben. Die wollten auch die praktische Zwischenprüfung dort abhalten. Aber das habe ich nicht erlaubt. Wir haben es hier mit der Nürnberger IHK abgehalten, genauso wie die Abschlussprüfung. Die IHK hat hier wirklich einen sehr guten Job gemacht, uns bestens unterstützt.

Die Abschlussprüfung fand bei Ihnen im Betrieb statt?
Seibold: Nein, beim Kunden. Ich bin ein Verfechter der Praxisorientierten Ausbildung. Warum sollen wir einen Automaten in den Schulungsraum stellen und dann künstlich Fehler einbauen? Ich habe gesagt, wir gehen zu einem Kunden, der im Tagesgeschäft ist. Wo Kaltgetränke-Automaten, Süßwaren-Automaten, Kaffee-Automaten stehen. Und dort zeigt Orhun erstmal den ganzen Ablauf, die Störungen – unter echten Prüfungsbedingungen. Das fand die IHK auch gut.

Hätten Sie sich mehr Unterstützung aus der Vending-Branche erhofft?
Seibold: Was den Verband angeht, nicht. Der BDV hat uns die Möglichkeit auszubilden, eröffnet. Alles andere kann der Betrieb selbst organisieren. Jetzt müssen einfach die Operator endlich ihren Beitrag leisten. Wenn wir als Unternehmen mit 20, 25 Leuten einen jungen Menschen ausbilden können, dann möchte man meinen, dass Unternehmen mit 100, 150 Angestellten mindestens zwei Lehrlinge ausbilden könnten. Solange da nichts passiert, wird der Beruf für die jungen Leute auch nicht attraktiver werden.

Und warum tut sich da nicht viel?
Seibold: Ganz einfach: Die Betriebe scheuen die Kosten, die Innovation. Ein Lehrling kostet zwar die Hälfte von einem Nichtgelernten. Letzterer ist aber schon 18, kann Überstunden machen und hat ein Auto. Hier wird eben sehr kurzfristig gedacht.

Sie würden aber wieder ausbilden?
Seibold: Auf jeden Fall. Im Moment gibt das die Größe unseres Unternehmens nicht her, aber irgendwann kann man wieder darüber nachdenken.

Herr Merdekar, und wie gefällt Ihnen Ihr Beruf Fachkraft für Automaten-Service?
Merdekar: Sehr gut. Eigentlich macht mir alles Spaß: Der direkte Kontakt mit Kunden, die körperliche Arbeit, das Technische. Es ist einfach die Mischung aus allem. Und nicht zuletzt das gute Betriebsklima bei Delta Catering.

Mehr zum Thema Vending in der Printausgabe von Vending Management. Testen Sie jetzt kostenlos!

Kommentare sind deaktiviert