Urteil im Müller-Brot-Skandal

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Verkaufstheke von Müller-Brot.

Foto: Müller-Brot

Fast fünf Jahre nach dem Ekelskandal und der Pleite der bayerischen Großbäckerei Müller-Brot sind drei Ex-Manager zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das hat das Landgericht Landshut am vergangenen Freitag entschieden.

Das Landgericht Landshut sah es als erwiesen an, dass die ehemaligen Geschäftsführer große Mengen Lebensmittel in den Handel gebracht haben, die nicht zum Verzehr geeignet waren. Zudem hätten sich die Männer der Insolvenzverschleppung und des Betrugs in 177 Fällen schuldig gemacht.

Die Hygienemängel seien nicht an den Lebensmitteln, sondern in der Produktionsumgebung festgestellt worden, sagte der Vorsitzende Richter bei seiner Urteilsverkündung. Gesundheitsgefährdende Lebensmittel seien nicht in den Verkehr gebracht worden.

Lebensmittel waren unbedenklich

Allerdings Lebensmittelkontrolleure finden Mäusedreck, Kakerlaken, Maden, Fruchtfliegen, Käfer, Motten, Schimmel und Rost. Trotzdem wurden weiterhin täglich Zehntausende Brötchen, Brote und Feinbackwaren gebacken und verkauft. „Die Lebensmittel selbst waren unbedenklich. Es war kein Schimmel im Brot oder eine Schabe in der Semmel“, sagte der Vorsitzende Richter Alfons Gmelch bei der Urteilsverkündung. Es herrschten aber ekelerregende Umstände in der Produktion.

Die Hygienemängel waren allen drei Angeklagten über Jahre hinweg bekannt. Es gab mehr als zehn Kontrollen mit Beanstandungen und sogar Bußgeldbescheiden. „Die Angeklagten haben die Mängel aber als unbedenklich eingestuft und die notwendigen Maßnahmen nicht eingeleitet“, betonte Gmelch. Mit geringem Aufwand hätte eine große Wirkung erzielt werden können.

An Personal und Reinigung gespart

Müller-Brot gehörte zu den größten Backunternehmen Deutschlands. Discounter und große Lebensmittelketten waren die Kunden von Müller-Brot. Mit zusätzlich knapp 390 Filialen und einem Umsatz von 425 Millionen Euro zählte die Großbäckerei aus dem oberbayerischen Neufahrn zu den Branchenriesen in Europa. 2009 sprang dann der Großkunde Rewe ab und ein Drittel des Absatzes brach weg. Um dem Preisdruck zu begegnen wurde gespart – vor allem am Personal und an der Reinigung.

Strengere Kontrollen

Der Fall zeige das ganze Versagen der Lebensmittelüberwachung, sagte Andreas Winkler von foodwatch. Nach wie vor erführen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht, welche Betriebe gegen Hygienevorschriften verstoßen. Winkler forderte, alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrollen umgehend zu veröffentlichen: „Ein transparentes System ist die beste Werbung für Betriebe, die zuverlässig und sauber arbeiten“, sagte er. Da die Lebensmittelüberwachung Ländersache sei, könnte Bayern ein solches Gesetz beschließen.

Vom Verbraucherschutzministerium hieß es, für die Information der Öffentlichkeit gebe es einen bundesweit einheitlichen Rechtsrahmen: „Ein maßgeblicher Anwendungsfall ist der durch ein Lebensmittel bedingte hinreichende Verdacht auf ein Risiko für die menschliche Gesundheit.“

Image repariert

2012 hatte die Großbäckerei Insolvenz angemeldet. Inzwischen ist Franz Höflinger der alleinige Geschäftsführer. Die Standorte der Filialen seien interessant gewesen, aber auch die Marke Müller, trotz des Imageschadens, betont er. „Irgendwie ist Müller ja durch den Skandal zur bekanntesten Bäckerei-Marke in Deutschland geworden.“ Heute sei die Marke repariert, ist er sich sicher. Die Tochter des Firmengründers ist nur noch stille Teilhaberin. Sie lieferte in diesem Jahr Brezen für das Münchner Oktoberfest. (dpa)

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