Kritik an Werbung mit Lebensmitteln „vom Land“

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Mit der Idylle auf Verpackungsbildern hat die Lebensmittelproduktion oft nur wenig gemein. Die Debatte über Folgen für Mensch und Tier geht weiter – und darüber, ob „Industrieprodukte“ auch „vom Land“ kommen können.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Werbung für Lebensmittel kritisiert, die irreführend als Produkte „vom Land“ angepriesen werden. „Mit Bildern von ländlicher Idylle drehen die Hersteller den Verbrauchern schnöde Industrieprodukte als ursprüngliche, naturbelassene Lebensmittel an“, teilte Foodwatch am Mittwoch in Berlin mit. Moniert werden unter anderem Formulierungen wie „Landrahm“, „Land-Nudeln“ oder „Land-Gurken“. Foodwatch forderte die Änderung von Leitlinien, wonach zum Beispiel auf Tee-Packungen Früchte abgebildet werden dürfen, die das Produkt gar nicht enthält.

Verwirrende Darstellungen in der Werbung

Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte kürzlich verwirrende Darstellungen in der Werbung für Lebensmittel kritisiert. „Wer mit trügerischen Werbebildern eine Landwirtschaft suggeriert, die es seit 50 Jahren nicht mehr gibt, darf sich nicht wundern, wenn sich Verbraucher getäuscht fühlen.“ Um mehr Klarheit bei der Werbung für regionale Lebensmittel zu schaffen, will Aigner mit den Ländern ein neues Zusatz-Kennzeichen entwickeln. In einem „Regionalfenster“, das Hersteller freiwillig auf die Packungen drucken können, soll der Regionalbezug konkret erläutert werden. So könne für jede Zutat angegeben werden, zu wieviel Prozent sie aus welcher Region stammt. Aigner hatte das Konzept bereits am vergangenen Montag erstmals am Rande der Grüne Woche in Berlin vorgestellt.

Auf der weltgrößten Agrarmesse wird weiter über den massenhaften Antibiotika-Einsatz in Mastbetrieben diskutiert. Die Anzahl der Tiere in der Geflügelmast ist nach Auffassung der Bundesinstituts für Risikobewertung nicht allein relevant für den umstrittenen Einsatz von Antibiotika. „Große Bestände sind nicht unbedingt ungesünder“, sagte Institutspräsident Andreas Hensel am Mittwoch. Es müssten auch andere Parameter betrachtet werden, wie die Fütterung und der Kontakt zu den Pflegern. In erster Linie seien die Landwirte in der Pflicht, ihre Tiere gesund zu halten. Da müssten auch die verschiedenen Haltungssysteme näher betrachtet werden.

Hohes Maß an Transparenz ist wichtig

Wichtig sei ein hohes Maß an Transparenz. Außerdem müsse immer die Frage gestellt werden, was wichtiger ist, der Tierschutz, die gerechte Tierhaltung oder die Lebensmittelsicherheit. Eine besondere Bedeutung komme auch der vollständigen Information über die Lebensmittelkette zu. Dabei müsse geschaut werden, ob Betriebe auch über einen längeren Zeitraum gut geführt werden. „Unser Ziel ist es, Krisen zu vermeiden, bevor sie entstehen“, betonte Hensel. (dpa)

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