Im Kaffeegeschäft gutes Geld verdienen

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Richard S. Beerbaum

Richard S. Beerbaum. Foto: Best Page

Bin gerade nach längerem Auslandsflug in Frankfurt gelandet. Der ICE nach Stuttgart kommt erst in 40 Minuten. Nach der Plörre im Flugzeug wäre mir jetzt ein guter Kaffee sehr willkommen. Da, an der Ecke ist schon die Firma aus Seattle mit den schicken Bechern. Richard, denke ich, jetzt gönnst du dir was! Kurz darauf stehe ich etwas ratlos am Counter, was soll ich bloß bestellen? Kann mich zwischen Frappuccino Caramel und White Chocolate Mocha nicht entscheiden.

„Weißt Du schon die Bechergröße und wie ist Dein Vorname?“, werde ich ebenso freundlich, wie bestimmt gefragt. Vorsichtshalber sage ich Stefan und ordere Caffè Latte, Version Grande. Jetzt wird mit dem Filzer Stefan auf den Becher geschrieben, Becher gefüllt, 4,80 Euro bitte. Wie bitte? Als Belohnung, dass der schwarze Edding mir nicht die Finger verschmiert, gibt es einen 5-Euro-Schein.

Da kommt der Intercity. Jetzt noch eine Stunde und 10 Minuten vom Flughafen Frankfurt nach Stuttgart. Mit dem Auto wären das zweihundert Kilometer – bei inzwischen unkalkulierbarer Zeit. „Möchten Sie einen Kaffee?“ werde ich recht freundlich gefragt. Ich nehme das Angebot an, erhalte einen gut schmeckenden, heißen Kaffee, den 0,3-l-Pappbecher für drei Euro, Zucker und Milch gibt es kostenlos dazu. Ich fange an über Kaffee nachzudenken. Was ist das Besondere am Kaffeegeschäft?

Hohe Nachfrage ohne Werbung

Kaffee erfreut sich einer beständig hohen Nachfrage. Es bedarf keinerlei aufwändiger Marketingkampagnen, um den Absatz zu stimulieren. Kaffeewerbung im Fernsehen? Braucht man nicht, höchstens für das Markenimage. Wie groß der Jieper der Deutschen auf „echten“ Kaffee ist, erinnern sich besonders ältere Bürger der neuen Bundesländer sehr genau.

Auch an das Glücksgefühl, wenn Tante Käthe aus dem Westen zu Besuch kam und zwei Päckchen Bohnenkaffee aus dem Koffer zauberte. Wie schön, dass man auch im ICE googeln und telefonieren kann: Kaffee ist noch vor Bier der Deutschen liebstes Getränk, im statistischen Mittel werden bei uns pro Kopf und Tag zwei Tassen getrunken. Nach der Aral- Studie halten 92 % der Deutschen Kaffee für „unverzichtbar“. Und – Überraschung! – Deutschland (83 Mio. Einwohner) ist nach Brasilien (207 Mio.) und den USA (323 Mio.) der drittgrößte Kaffeemarkt der Welt! Kaffee erfreut sich durch alle Altersgruppen bereits langfristig einer quasi permanent hohen Nachfrage. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Der klassische Filterkaffee verliert dabei weiter an Bedeutung, hochwertige Kaffeespezialitäten aus dem Vollautomaten sind trendy. Egal, ob schaumiger Cappuccino, kräftiger Espresso oder schön sahnig schmeckender Latte Macchiato, am besten, wenn der Barista aus jeder Kaffeezubereitung für den Gast ein kleines Meisterwerk zaubert.

Kaffeegeschmack muss überzeugen

Die Gäste erwarten beim Kaffeegenuss höchste Qualität. Denn die für den Privathaushalt angebotenen Automaten liefern ordentliche Ergebnisse. Daran haben sich die Leute schnell gewöhnt. Arabica oder Robusta sind längst keine Fremdwörter mehr. Beim Einkauf von Kaffee sollte der Preis nicht das entscheidende Kriterium sein. Besser zur besten Bohne greifen und die Gäste qualitativ überzeugen! Werden für ein Kilo Espressobohnen im Einkauf fünf Euro mehr bezahlt, ergibt das bei verkauften 130 Tassen einen gerade um 3,8 Cent höheren Wareneinsatz. Kaffee muss im Geschmack überzeugen. Nur so entsteht eine Preisbereitschaft des Konsumenten, die für den Gastronomen einen interessanten Deckungsbeitrag abbildet.

Das passende Equipment

Welcher Profi-Kaffeeautomat ist der Richtige? Lassen Sie sich vom Anbieter in einer detaillierten Übersicht eine verbindliche und vollständige (!) Kaffeemaschinenkalkulation vorlegen, die sämtliche Kosten und mögliche Roherträge genau abbildet. Wie wertvoll ist die Zusammenarbeit mit einem Systemanbieter? Der bietet zwar die starke Marke, den Kaffee und den Automaten sowie viel Know-how und Vertriebskonzepte. Doch das gibt es nicht umsonst, der Einstandspreis pro Tasse dürfte deutlich höher sein. Im Kaffeegeschäft sind mit relativ geringem Wareneinsatz hohe Umsätze und gute Verdienste realisierbar.

Dennoch braucht der Profi eine exakte Tassenkalkulation. Sie müssen wissen, wie hoch der Einkaufspreis und die Dosiermenge für jedes Glas Latte Macchiato, Cappuccino oder Espresso ist. Auch wenn die Wareneinsatzquote bei Kaffee deutlich unter der anderer Getränke liegt, bedarf es einer präzisen Kalkulation des Verkaufspreises damit der Kaffeeverkauf für den Gastronomen ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist und sich mit Kaffeespezialitäten wertvolle Erträge bilden lassen. Sie können im Kaffeegeschäft gutes Geld verdienen. Doch Vorsicht: Es gibt auch viele, die mit dem Kaffeegeschäft an Ihnen Geld verdienen möchten.

Richard S. Beerbaum

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Richard S. Beerbaum ist Marketingexperte, Journalist und Autor. Er ist seit über 30 Jahren in der Beratung großer Industrie- und Handelsunternehmen tätig, aber auch mit viel Freude in der Kommunikation für Gastronomie, Hotellerie und Food-Service im Einsatz. Der gebürtige Berliner lebt in Ludwigsburg und ist Partner der Agentur BestPage Kommunikation.

 

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