Front- und Showcooking: Win-Win für Gast und Küche

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Richard S. Beerbaum

Richard S. Beerbaum. Foto: Best Page

Waren Sie kürzlich in Bologna? Oder wenigstens in Krefeld und München? An allen drei Orten lässt sich trefflich in die gastronomische Zukunft schauen. Was diese spannenden Plätze mit einem gemeinsamen Nenner verbindet, ist die immer bedeutender werdende Position des Kochs und seines Teams. Sie rücken in die Mitte des Geschehens und bieten Frontund Showcooking.

Die traditionelle Küche wird dabei zur Vorbereitungsküche reduziert, die Zubereitung der Speisen erfolgt in enger individueller Abstimmung mit dem Gast direkt vor seinen Augen. Wenn der Gast bei der Zubereitung seiner Speise zusehen kann, wächst sein Vertrauen in die gebotene Qualität und der Unterhaltungswert der ganzen Sache steigt erheblich. Diese Erlebnissituation schafft den Mehrwert. Vom Koch und seinem Team werden allerdings eine gehörige Portion Entertainment und Gastorientierung gefordert. Frontcooking spricht einerseits Gäste an, die in einem spannenden Ambiente hochwertig speisen wollen, andere wollen eher vom Koch und dem Zubereitungsprozess unterhalten werden und am besten noch Gelingtipps mit nach Hause nehmen. Oder alles gleichzeitig!

Sonderform wird Standard

Was Betriebsgastronomie und Catering zur Zeit noch als Frontcooking kennen, definiert Wikipedia so: „Frontcooking ist ein Begriff aus der Gastronomie und stellt eine Sonderform des Kochens in der Gastronomie dar. Beim Frontcooking bereitet der Koch die Speisen außerhalb der Küche und unmittelbar vor dem Gast zu, dem auf diese Weise die Möglichkeit gegeben wird, wesentliche Teile des Zubereitungs- und Kochvorgangs zu beobachten.“

Ich bin sicher: Sonderform war gestern. Kann gar nicht sein? Nun, lieber Leser, dann waren Sie noch nicht in Bologna, Krefeld und München. Sehen wir uns den Hintergrund an: LEH-Kolosse wie Aldi, Lidl, Metro und Rewe haben bereits milliardenschwere Rücklagen gebildet. Sie werden ihre Betriebe sukzessive umbauen und Produkte aus dem Sortiment als frisch produzierte Speisen anbieten, die in einer offenen Küche direkt vor dem Kunden zubereitet werden. Die kostenlose Zubereitung der Speisen gehört zum Service.

Klingt utopisch? Besuchen Sie die Markthalle Krefeld, den Pilotstore von Real/Metro und erleben Sie, wie auf 11.500 m2 das herkömmliche Supermarktprinzip auf den Kopf gestellt wird. Suchen Sie sich in Krefeld das schönste Stück Entrecôte aus und bitten um kostenlose Zubereitung und das Servieren am Tresen auf der Piazza. Jetzt müssen Sie nur noch entscheiden, ob es für sie im 800 °C heißen Beefer oder im Holzkohleofen zubereitet wird. Von Krefeld fahren Sie dann nach München in die Blumenstraße 4 und erleben das Eataly-Konzept, das seinen derzeitigen Höhepunkt in der Fico Eataly World im Nordosten Bolognas (Via Paolo Canali 8) findet.

Stellt den Koch in den Mittelpunkt!

Sie sehen, liebe Leser, die gastronomischen Umfeldbedingungen ändern sich rasant. Und Sieger sind immer diejenigen, die es vermögen, sich schnell geänderten Umfeldsituationen anzupassen. Dabei ist die Idee des Frontcookings so einfach wie genial und in vielen Varianten bestens bekannt: die Speisebars der 70iger Jahre, die modernen Sushi-Bars, die Frühstücksbuffets und die zahlreichen Möglichkeiten beim Catering.

Frontcooking hat großes Potenzial und bietet der Gastronomie ganz allgemein große Vorteile: Der Beruf des Kochs wird zunehmend attraktiver, er kommt quasi aus dem Dunklen ins Licht. Immer mehr junge Menschen dürften sich bei der Wahl ihrer Ausbildung dafür entscheiden, so attraktiv im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Frontcooking ist Chance. Da bleibt höchstens die Frage, wer in Zukunft das Basisgeschäft, die Standard-Zubereitung großer Mengen gleicher oder individueller Essen erledigt. Wer dürfte das sein? Nun ja, das übernimmt in der schönen neuen digitalen Welt der Kollege Roboter.

Fazit: Wer heute auf Front- und Showcooking setzt, dürfte für die gastronomische Zukunft bestens gerüstet sein. Der Anfang ist gerade gemacht: So wie wir Front- und Showcooking heute kennen, ist das wahrscheinlich erst der mögliche Anfang eines Strukturwandels in der gastronomischen Speisenzubereitung.

Noch ein Reisetipp gefällig? In Las Vegas haben die führenden Casinos längst auf Kochstationen umgestellt, die, wie auf einer Perlenschnur aneinandergereiht, dem Gast vielfältigste Ad-hoc-Zubereitungen bieten. Und wo gibt es in Thailand das beste Essen? An den Garküchen am Straßenrand! Wenn es die Aktie „Front- und Showcooking“ gäbe, würde ich noch heute welche kaufen!

Richard S. Beerbaum

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Richard S. Beerbaum ist Marketingexperte, Journalist und Autor. Er ist seit über 30 Jahren in der Beratung großer Industrie- und Handelsunternehmen tätig, aber auch mit viel Freude in der Kommunikation für Gastronomie, Hotellerie und Food-Service im Einsatz. Der gebürtige Berliner lebt in Ludwigsburg und ist Partner der Agentur BestPage Kommunikation.

 

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