Integration bei McDonald’s Seenland

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Menschen aus 15 Nationen arbeiten in den fünf McDonald’s-Filialen des langjährigen Franchisenehmers Stefan Streckel. Sein Motto: „Komm in unser Team.“ Wie die Integration gelingen kann, erklärt Streckel im Interview mit CATERING MANAGEMENT.

„Komm in unser Team“ heißt es ganz oben auf der Webseite von McDonald’s Seenland. Hinter der Webseite steckt das Unternehmerpaar Stefan und Suzi Streckel, das fünf Filialen im fränkischen Seenland betreibt. Das Ehepaar steht für die gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, darunter auch Flüchtlinge.

Schon seit 1994 ist Stefan Streckel Franchisenehmer bei McDonald’s und war langjähriges Mitglied im Vorstand des Bundesverband Systemgastronomie (BdS). Beide Partner haben die Ausbildungsrichtung „Fachkraft für Systemgastronomie“ mitentwickelt und sind Ausbildungsprüfer bei der IHK. In Ihren fünf Filialen in Weissenburg, Gunzenhausen, Roth, Schwabach und Kammerstein beschäftigen die Streckels bis zu 150 Mitarbeiter in der Hochsaison.

Gerade wurde der neue Store in Gunzenhausen wiedereröffnet. Für diesen Betrieb, der ganz im neuen grünen McDonalds Look gestaltet ist, hat Stefan Streckel eine Siebträgermaschine gekauft. Zum Gespräch sitzt er mit einer Porzellantasse voll exquisitem Kaffee im neuen Store und genießt die auch für ihn neue Atmosphäre, während seine Mitarbeiter eine Baristaschulung durchlaufen.

Herr Streckel, welche Nationalitäten treffen in Ihren Betrieben aufeinander?
Wir haben zurzeit 15 Nationen: Frankreich, Italien, osteuropäische Länder, und natürlich Mitarbeiter aus dem USA. Das ist normal. Ich bin jetzt 25 Jahre bei McDonald‘s Franchisenehmer. Deshalb war für uns die Flüchtlingsintegration kein größeres Problem. Wir hatten in der Hochphase der syrischen Flüchtlingswelle sogar bis zu 15 Asylbewerber beschäftigt. Einer ist uns davon noch geblieben.

Wie sind denn Ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen?
Für uns ist es definitiv nicht neu, Asylbewerber im Restaurant zu haben. Vor 20 Jahren kamen sie aus Ceylon und Sri Lanka, vor 10 Jahren aus dem Irak. Und jetzt eben aus Syrien. In der Hochphase der syrischen Flüchtlingswelle hatten wir 15 Asylbewerber in unseren Betrieben. Das Thema der Integration wurde in den Medien ziemlich hochgekocht, aber für uns stellte die Situation kein größeres Problem dar.

Keine Schwierigkeiten?
Ich kann nichts Negatives sagen. Das Problem waren nicht die Flüchtlinge selbst, sondern das Drumherum. Entscheidungen von den Behörden, die nicht getroffen wurden, oder Entscheidungen, die gegen die Leute getroffen wurden, weil sie aus ihrer Lebenssituation rausgerissen und heimgeschickt wurden. Das hat sich dann später gebessert. Es gab auch komische Situationen. Menschen, die offensichtlich auf der Flucht waren, stürmten hier rein, und riefen aufgeregt, sie bräuchten Arbeit. Wir haben sie erst einmal beruhigt und versucht, eine Lösung für sie zu finden. Manche haben bei uns angefangen, andere waren plötzlich wieder weg. Aber auch zwischen den Flüchtlingswellen gab es Vorfälle. Vor zehn Jahren hatten wir einen langjährigen Mitarbeiter, der plötzlich einen Abschiebebefehl erhielt. Wir haben in der Nacht um 2 Uhr den Landrat kontaktiert, um das zu stoppen. Und was soll ich sagen: Es ist uns gelungen! Obwohl der Mitarbeiter schon auf dem Weg zum Flughafen war!

Was war im Umgang mit Flüchtlingen wichtig?
Sie müssen als Arbeitgeber da sein, Sie müssen sich drum kümmern. Ein Mitarbeiter, der gerade irgendwo geflüchtet ist, in einer Wohnung lebt, wo er nur zwischenzeitlich kurz drin ist und dann in einen Betrieb kommt, wo er sich integrieren muss… Es gibt Persönlichkeiten, die damit schlecht umgehen können, Menschen sind nun mal nicht gleich. Das ist eine Sondersituation, und das muss man als Vorgesetzter auch erkennen. Es handelt sich ja um einen Menschen, den muss man im Zweifelsfall erst einmal in den Arm nehmen und beruhigen. Natürlich ist das mit Aufwand verbunden!

Warum betreiben Sie diesen Aufwand?
Das ist eine Möglichkeit, um Mitarbeiter zu rekrutieren. Und weil wir in solchen Situationen geschult sind. Für uns ist da keine Barriere. Und dann sage ich natürlich: „Komm rein!“, wenn einer vor der Tür steht.

Wie verständigen sich die Menschen unterschiedlicher Herkunft?
Wir legen Wert darauf, dass Deutsch gesprochen wird. Wenn zwei oder drei Mitarbeiter anfangen, untereinander ihre Landessprache zu sprechen, ist das nicht gut fürs Team und führt zur Bildung von Grüppchen. Außerdem lernen sie die Sprache auf diese Weise nicht, die Kommunikation mit dem Gast wird nicht vorangetrieben. Auch für das zusammen Arbeiten brauchen wir eine Basissprache, die für alle gilt. Deswegen ist es ganz wichtig, dass klar ist: Hier wird Deutsch gesprochen.

Lässt sich das auch durchsetzen?

Meine Frau und ich sind täglich in den Betrieben und sprechen die Mitarbeiter natürlich an, wenn sie sich nicht daran halten. Aber es ist kein Thema, das dauernd auf der Agenda steht, im täglichen Betrieb spielt sich das schnell ein.

Können denn alle Mitarbeiter deutsch?
Ganz ohne Grundkenntnisse sind die sprachlichen Barrieren zu hoch, dann kann ja gar keine Anfangssituation entstehen. Wenn mir einer aber signalisiert, dass er will die Sprache lernen will, dann nehmen wir, je nach Personalbedarf, auch jemanden mit schlechten Kennnissen auf. Wer eine hohe Motivation hat, lernt das schnell. Gerade unter den syrischen Flüchtlingen waren einige, die gut Deutsch gesprochen haben – das hat mich verwundert.

Wenn jemand Routinearbeiten in der Küche erledigt, muss er ja gar nicht so viel reden, oder?
Wir arbeiten alle miteinander im Team. Keiner steht hier nur für sich. In den Bereichen Küche und Service gibt es gibt es ebenfalls Überschneidungen. Selbst wenn die Mitarbeiter einen Monitor vor sich haben, müssen sie mit anderen kommunizieren, die Arbeit geht Hand in Hand. Teilweise werden halbfertige Produkte weitergeben an den nächsten Mitarbeiter – die müssen kommunizieren!

Wie sieht es mit der Weiterbildung aus?

Das Training ist bei uns ein Riesen- Posten. Jede Station in der Systemgastronomie hat bestimmte Vorgaben, und die müssen Sie einem Mitarbeiter erst beibringen. Jeder durchläuft ein eigenes Trainingsprogramm und hat einen eigenen Trainingspaten. Wenn er an einer Station fit ist, kommt die nächste dran, nach Möglichkeit sollte er an allen Stationen in Küche und Service einsetzbar sein. Es gibt über 30 Stationen im Betrieb, die der letztlich durchlaufen muss.

Wie ist die Personalsituation generell?
Wir bemühen uns, die Leute im Betrieb zu halten. Ich versuche die Mitarbeiter zu motivieren, gut ausbilden und gut zu betreuen. Es ist wichtig, dass ein gutes Umfeld herrscht, in dem sich alle wohl fühlen und wo die Arbeit Spaß macht.

Dazu gehört auch die Bezahlung. Wir zahlen über Tarif. Der Einstiegslohn laut Tarif des Bundesverbands der Systemgastronomie liegt bei 9,25 Euro pro Stunde, nach einem Jahr erhält der Arbeitnehmer 9,40 Euro. Wir zahlen dann bereits 10 Euro. Die zweite Arbeitnehmergruppe, die im Angestelltenverhältnis arbeitet, erhält natürlich mehr. Der Vorteil von McDonald’s: Man kann überall in Deutschland und auch im Ausland arbeiten.

Wir arbeiten hier ja jeden Tag zusammen, wir sind hier wie eine Familie – McFamily, sagen wir. Alle Mitarbeiter haben hinter der Theke und vor der Theke jeden Tag mit vielen Menschen zu tun, ein People Business! Wenn Sie keinen Spaß an der Arbeit haben und der gemeinsame Geist nicht da ist, dann spüren das die Gäste. Meine Frau und ich, wir stehen nicht in der Küche, aber wir sind greifbar und vor Ort, das ist ein starker Bund mit unseren Mitarbeitern.

Das Interview führte Maxi Scherer

 

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