Listerien in Wurst: Großmetzgerei Sieber meldet Insolvenz an

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Imagebild der Großmetzgerei Sieber

Foto: Sieber

Nach der Verbraucherwarnung wegen gesundheitsgefährdende Bakterien hat die Großmetzgerei Sieber aus dem bayerischen Geretsried hat am Dienstag, 7. Juni 2016, Insolvenz angemeldet. In Wurstwaren des Unternehmens waren Listerien gefunden worden. Die Behörden hatten daraufhin einen Produktionsstopp verhängt. Hunderte Tonnen Wurstwaren mussten vernichtet werden.

Das Landratsamt in Bad Tölz hatte am 27. Mai angeordnet, dass sämtliche Sieber-Produkte in ganz Deutschland aus den Ladentheken sowie in Flughäfen und Großkantinen zurückgerufen und vernichtet werden müssen. Außerdem verhängte die Behörde ein Betriebs- und Vertriebsverbot für die Großmetzgerei mit 120 Beschäftigten. Das Unternehmen beliefert nach seinen Angaben die Ketten Lidl, Norma, Rewe und Penny, nicht jedoch Aldi.

 

Bis zu 80 Erkrankungsfälle

Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen wurden seit 2012 in Deutschland Listeriosen mit einem bestimmten Muster beobachtet. Diesem Ausbruch könnten möglicherweise bis zu 80 Erkrankungsfälle zugeordnet werden. Acht der erkrankten Personen sind gestorben, bei vier von ihnen wird die Listeriose als hauptsächliche Todesursache angesehen. Ob die Todesfälle auf Sieber-Produkte zurückgehen, ist unklar. Das Robert-Koch-Institut vermutete, dass das Siebers „Original Bayerisches Wammerl“ in Zusammenhang mit dem Listeriose-Ausbruch von 2012 steht.

Der Inhaber der Fleischwarenfirma Sieber, Dietmar Schach, hatte zuvor den Vorwurf erhoben, der Rückruf sämtlicher Waren und die Werksschließung seien politisch motiviert. Es werde der Versuch unternommen, „dass man an einem Betrieb ein Exempel statuiert, um von behördlichen Versäumnissen abzulenken“, kritisierte Schach. Das bayerische Verbraucherschutzministerium wies die Vorwürfe zurück. (dpa)

Hintergrundinformationen zu Listerien finden Sie [showhide type=“pressrelease“] Listerien sind stäbchenförmigen Bakterien, die in der Natur häufig vorkommen – etwa im Kompost, in der Erde und auf Pflanzen. Tierische und pflanzliche Produkte können sowohl über Fäkalien wie auch über die Umwelt kontaminiert werden. Gefährdet sind vor allem rohe Tierprodukte wie Hackfleisch, Sushi und Rohmilchkäse. Denn die Verarbeitung verseuchter Rohstoffe führt nicht immer zur Abtötung der Bakterien: Listerien sind sehr widerstandsfähig. Sie überstehen sowohl Tiefgefrieren als auch Trocknen. Kochen, Braten, Sterilisieren und Pasteurisieren tötet die Bakterien dagegen sicher ab.

Nur ein kleiner Anteil von Menschen, die Listerien aufnehmen, erkrankt auch tatsächlich an Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Muskelschmerzen oder Erbrechen und Durchfall – oft erst bis zu acht Wochen nach dem Verzehr. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen wie Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen oder Schwangere. Bei ihnen sowie bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

In Deutschland gibt es im Durchschnitt 400 bis 650 Fälle pro Jahr. Listeriose wird mit Antibiotika behandelt. Zur Vorbeugung empfehlen Experten unter anderem, Fleisch- und Fischgerichte gründlich zu garen, auf rohes Fleisch oder Fisch zu verzichten sowie Obst und Gemüse gründlich zu waschen. (dpa)[/showhide]

 

 

 

 

 

 

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