Blut im Lunchpaket?

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Warm- und Kaltverpflegung am Standort, Warmverpflegung und Auslieferung von Lunchpaketen bei Einsätzen sowie kulinarische Versorgung des Fortbildungsinstitutes in Ainring: Mit einem bewährten System bewältigt die Küche der bayerischen Bereitschaftspolizei in München alle Herausforderungen. (Von Stefanie George)

Wenn die Lunchpakete fertig sind, werden sie von den Beamten eingeladen und zum Einsatzort transportiert. Foto: Catering Managment / George

Zahlen können Küchenleiter Walter Mannsberger schon lange nicht mehr erschrecken. Manchmal kommt kurzfristig die Nachricht, dass er und sein Team statt der geplanten 1.000 Polizisten bei einem Einsatz 2.000 verpflegen müssen. Kein Grund, in Panik zu geraten. Denn die bayerische Bereitschaftspolizei hat mit ihren sieben Standorten ein Verpflegungssystem entwickelt, welches höchst effektiv und zugleich äußerst flexibel ist. Am Standort selbst sind inklusive Fremddienststellen 800 Personen stationiert. „Wir haben überwiegend freiwillige Essensteilnehmer. Zum Frühstück fallen täglich um die 100 Portionen an, zum Mittagessen ab 400 und zum Abendessen zirka 230“, erklärt Achim Niederhammer, Sachgebietsleiter Polizeiverwaltung der I. Bereitschaftspolizeiabteilung München.  Dazu müssen noch über 200 Essen für das Fortbildungsinstitut in Ainring bereitgehalten werden, welches drei mal pro Woche im Cook & Chill-Verfahren beliefert wird. Diese Zahlen können sich allerdings täglich ändern, zum Beispiel, wenn große Einsätze oder besondere Fortbildungen anstehen.

Immer mehr essen vegetarisch

Acht Wochen plant Küchenleiter Walter Mannsberger den Wochenspeiseplan im Voraus. Es gibt täglich ein normales und ein vegetarisches Menü, welches im Moment in der Mischkalkulation 3,37 Euro kostet. Ein Menü beinhaltet immer eine Suppe, ein Hauptgericht, ein Dessert sowie Getränke in Form von Wasser und Saft. Außerdem steht eine Salatbar bereit. Auf die Teller kommen zum Beispiel Schwäbische Hochzeitssuppe und hausgemachte Lasagne al Forno, Forellencremesuppe und eingelegter Rinderbraten mit Apfelblaukraut und Kartoffelknödeln; Desserts können Krapfen, Frischobst, Nougatcreme oder Fruchtjoghurt sein. „Wir haben zwei verschiedene Klientel zu versorgen: Die Beamten in Ainring sind etwas älter, die Beamten hier am Münchner Standort in der Einsatzstufe sind größtenteils Anfang bis Mitte zwanzig. Sie wünschen sich ganz andere Speisen, eher Paniertes sowie Gyros, Currywurst und Schnitzel“, so Walter Mannsberger.

Während panierter Fisch sehr gut angenommen wird, findet gedämpftes und gebratenes Flossentier bei den jungen Polizisten eher weniger Anklang. Darauf wird natürlich Rücksicht genommen. Und immer öfter verlangen vor allem Polizeibeamtinnen das vegetarische Menü, hier hat sich der Gesamtanteil von zehn Prozent auf 25 bis 30 Prozent erhöht. Der Speiseplan ist immer saisional beeinflusst, außerdem arbeitet die Küche bevorzugt mit Lieferanten aus der Region zusammen. Zusätzlich zur Gemeinschaftsverpflegung der Polizei gibt es an den Standorten der bayerischen Bereitschaftspolizei immer noch eine private Pachtkantine. „Diese ergänzt das Angebot. Das Hauptgeschäft wird dort mit Snacks und Zwischenverpflegung gemacht“, erklärt Walter Mannsberger.

„Privatisierung gefährdet die Sicherheit“

In Bayern stellt die Bereitschaftspolizei auch die Einsatzverpflegung selbst her. Einige Abteilungen beziehen lediglich die Sandwiches von extern, in München vertraut man auch hier seit einigen Jahren komplett auf die eigenen Kräfte. Hans Federschmidt – er ist im Sachbereich Versorgung für die Verpflegung zuständig – nennt dafür nicht nur qualitative und quantitative Gründe: „Privatisierung der Verpflegung gefährdet in unseren Augen auch die Sicherheit der Beamten, unter Umständen durch nicht polizeifreundliche Mitarbeiter. Deshalb hat sich die Polizei in Bayern mit dem Innenministerium auf ein internes System geeinigt. Welches seit nun schon zehn Jahren hervorragend läuft.“

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HINTERGRUND – Blut im Lunchpaket

Die Entscheidung, ob die EinsatzVerpflegung von der Polizei selbst oder durch externe Dienstleister übernommen wird, ist in Deutschland Ländersache. Bundesweite Diskussionen löste die Privatisierung der polizeilichen Einsatzküchen in Nordrhein-Westfalen durch das dortige Innenministerium im vergangenen Jahr aus. Anlass waren massive Beschwerden aus etlichen NR W-Behörden zu Qualität und Quantität der von privaten Caterern ausgelieferten Speisen. In Ausgabe 9/2010 listet die Gewerkschaftszeitung „Deutsche Polizei“ unter anderem auf: „verdorbene Schnitzel und Frikadellen in Mettmann, unzureichende Verpflegung auf der Rheinkirmes in Düsseldorf, verdorbenes Schweinfleisch und Bierwurst im Düsseldorfer Einsatzabschnitt der Loveparade, rohes Fleisch in Wuppertal sowie Butter und Käse mit abgelaufenem Verfallsdatum in Bochum“.
Am 4. August soll der Einsatzzug der 17. BPH beim Freundschaftsspiel BVB-Manchester City sogar zwölf Verpflegungsbeutel mit Blutflecken innen und außen erhalten haben. Bereits 2008 hatte die Polizei-Gewerkschaft in einem Positionspapier festgestellt: „Die Verpflegung ist die tragende Säule im Einsatz und erfordert den größten Aufwand an Personal, Material und Finanzmitteln.“ Nun fordert nicht nur Frank Richter, GdP-Landesvorsitzender von NRW: „Den Behörden muss wieder die Möglichkeit eingeräumt werden, selbst zu entscheiden, von wem sie bekocht und versorgt werden wollen. Denn die Erfahrung zeigt uns: Die Verpflegung ist optimal gewährleistet, wenn sie mit polizeieigenen Mitteln durchgeführt wird.“ Finanziell habe sich zudem gezeigt, dass die Verpflegung durch die Privatisierung nicht preiswerter, sondern sogar kostenintensiver geworden sei. (geo)

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